METEOR ScienceLog - Nr.1
22. – 25. Oktober 2008: Die Reise METEOR 77 beginnt
Mit einer Verspätung von zwei Tagen ist die Expedition METEOR 77 gestartet. METEOR fährt zurzeit mit voller Geschwindigkeit entlang der chilenischen Küste nach Norden. Das erste Arbeitsgebiet in peruanischen Gewässern bei 18°N wird am Montag gegen Mitternacht erreicht.
Autor: Fahrtleiter Olaf Pfannkuche vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) arbeitet seit 30 Jahren als Meeresbiologe auf allen Weltmeeren. Schwerpunkt seiner Untersuchungen sind die Organismen des Tiefseebodens und die biogeochemischen Prozesse in Tiefseesedimenten. Dazu wurden in seiner Arbeitsgruppe eine Reihe von innovativen Mess- und Experimentiereinheiten entwickelt, die in Landern in Meerestiefen bis zu 6000 Metern eingesetzt werden können. Olaf Pfannkuche baute den ersten deutschen Tiefseelander, der im Jahr 1986 erfolgreich in 4500 Meter Tiefe eingesetzt wurde. Dieser Lander ist jetzt im „Ozeaneum“ in Stralsund ausgestellt.
METEOR 77-1 Blog, 22. – 25. Oktober 2008: Die Reise METEOR 77 beginnt:
Autor: Fahrtleiter Olaf Pfannkuche
FS METEOR fuhr nach Beendigung der Reise 76 aus dem Südatlantik durch die Magellan Straße an der Südspitze von Südamerika zu Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten in die Werft von Talcahuano in Chile. Da die Arbeiten einschließlich einer Testfahrt erst im Laufe des 22.10. beendet wurden, konnte der für diesen Tag geplante Auslauftermin nicht gehalten werden. Die am 20. 10. eingeflogene Wissenschaftlergruppe konnte erst nach zwei Übernachtungen im Hotel am Morgen des 22.10. an Bord gehen. Die Gruppe besteht aus 28 Wissenschaftlern, Doktoranden, Technikern und studentischen Hilfskräften und ist multinational zusammengesetzt (Argentinien, Brasilien, Deutschland, Neuseeland, Peru, Ukraine, USA).
Nach dem Bezug der Kammern wurde sofort mit Beladen des Schiffes mit der wissenschaftlichen Ausrüstung begonnen, die in neun Containern vom IFM-GEOMAR nach Talcahuano verschifft worden war. Vier Container wurden direkt auf das Schiff übernommen (Bild 1), um an Bord entladen zu werden, die anderen Container wurden mit Gabelstaplern und einem Kran entladen. Dabei handelt es sich insbesondere um die großen Geräte (u. a. vier Lander). Im Laufe des Nachmittags war alle Ladung aus den Containern an Land auf das Schiff verbracht, während gleichzeitig die letzten Schweißarbeiten an der Ladeluke durchgeführt wurden.
Bild 1: Beladearbeiten, ein Container wird auf das Arbeitsdeck von METEOR platziert.
Die an Bord genommenen Container transportierten vornehmlich die Ausrüstung für die Labore, die meist Aluminiumkisten verpackt ist. Diese werden in der Ladeluke oder an Deck entladen und die Kisten mit Handhubwagen und viel Muskelkraft auf die Labore verteilt (Bild 2 und 3).
Bild 2: Entladen der Laborausrüstung aus einem Container im Laderaum.
Bild 3: Einzug in einem Labor.
Im Laufe des Abends musste dann die Ausrüstung an Deck seeklar gestaut und gelascht werden. Nach einigen Stunden war daher das Chaos an Deck beseitigt und am nächsten Morgen beim Verlassen der Werft sah alles wohl geordnet aus (Bild 4).
Bild 4: Das Arbeitsdeck ist seeklar geordnet und gelascht.
Für den 22.10. war ebenfalls die Obernahme von Treibstoff geplant. Das Schiff mit dem Treibstoff war jedoch auf Grund widrigen Wetters noch immer auf der Anreise von Valparaiso. Am Morgen des 23.10, verließen wir die Werftpier und gingen in der Bucht von Talcahuano vor Anker, um auf das Bunkerschiff zu warten. Die Wartezeit wurde für die weitere Laboreinrichtung und für die Sicherheitseinweisung der Wissenschaftler genutzt (Bild 5 und 6).
Bild 5: Sicherheitsübung, Versammlung am Sammelplatz
Bild 6: Sicherheitsübung, Versammlung am Backbord-Rettungsboot.
Am späten Nachmittag traf dann endlich das Bunkerschiff ein und wurde mit Schlepperhilfe längsseits an METEOR fest gemacht. Der Kraftstoff wurde dann in einem dicken Schlauch in die Tanks der METEOR gepumpt (Bild 7).
Bild 7: METEOR übernimmt auf Reede Treibstoff von einem Bunkerschiff.
Am späten Abend war das Bunkern beendet und nach Beendigung der Ausreiseformalitäten durch die Hafenbehörden, konnten wir am 23. 10. Um 23:30h die Reise zum Arbeitsgebiet beginnen. Wir laufen jetzt mit voller Kraft entlang der chilenischen Küste nach Norden und werden am Montag um Mitternacht das erste Arbeitsgebiet in 18°N in der Nähe der peruanisch-chilenischen Grenze erreichen. Das gute Wetter, der Humboldt Strom und ein achterlicher Wind begünstigen das Fortkommen und den Aufbau der Geräte an Deck. Wir freuen uns alle auf den Beginn der Stationsarbeiten.
Olaf Pfannkuche zum Hintergrund der METEOR-Reise M77:
Der tropische Ozean und der Klimawandel
Die Schlüsselrolle des tropischen Ozeans im globalen Klimageschehen und die Rolle des im Wasser gelösten Sauerstoffs ist das übergeordnete Thema der Expedition. Die Sauerstoff-bedingungen im Ozean werden durch das Zusammenwirken von physikalischen, biologischen und geochemischen Prozessen kontrolliert. Sauerstoffquellen sind die Atmosphäre und Photosynthese. Zirkulation und Durchmischung transportieren Sauerstoff aus dem oberflächennahen Bereich in große Tiefen. Gleichzeitig wird ein Teil des Sauerstoffs im gesamten Ozean durch den Abbau organischer Substanz wieder aufgezehrt. Beide Prozesse reagieren sensibel auf klimatische Veränderungen im Ozean. Die Kernregionen mit stark reduziertem Sauerstoffgehalt sind heute auf die Sauerstoffminimum-Zonen (SMZs) in den Tropen beschränkt. Änderungen in diesen regionalen SMZs können sich durch die Ozeanzirkulation aber auch auf den globalen marinen Nährstoffhaushalt auswirken. Auf diese Weise kontrolliert die Sauerstoffverteilung im Ozean die Verfügbarkeit von Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor oder Eisen und kann deshalb beim Unterschreiten bestimmter Schwellenwerte radikal wirkende, mikrobiologische und chemische Prozesse in der Wassersäule und in den Ozeansedimenten in Gang setzen. Daher können derartige Schwellenwerte als „Schaltpunkte“ für die Nährstoffverteilung im Ozean betrachtet werden. Klimatisch erzeugte Änderungen in der Ausdehnung von SMZs können wiederum starke biogeochemische Reaktionen durch Effekte auf die biologische Produktion und die CO2-Aufnahme aus der Atmosphäre und damit auch wieder auf das Klima hervorrufen.
Im pazifischen Ozean erstreckt sich westlich von Peru und Ecuador ein riesiges Gebiet, in dem lebenswichtiger Sauerstoff Mangelware ist. Dieses Gebiet ist Ziel der Expedition METEOR 77. Sie steht unter der Leitung von Kieler Meereswissenschaftlern des Sonderforschungsbereichs (SFB) 754, an dem das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und die Christian Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) beteiligt sind.
Das ScienceLog ist eine Kooperation zwischen dem IFM-GEOMAR, dem SFB 754 der Christian-Albrechts-Universität Kiel und planeterde.de.






