ScienceLog von FS POLARSTERN - Log 2
Fern vom Uni-Alltag: Eine Bremer Geophysikstudentin berichtet
2. Oktober 2008
81° 7’N 126°38’E
Ich bin Morelia Urlaub, Studentin an der Universität Bremen. Hier auf der Polarstern fahre ich als „HiWi“, also als studentische Hilfskraft in der Arbeitsgruppe Geophysik mit. Es ist meine zweite Expedition mit der Polarstern; jedoch die erste in die Arktis. Solche Expeditionen bieten eine gute Abwechslung zum Uni-Alltag, da auf dem Schiff natürlich die Praxis überwiegt. Das bedeutet viel körperliche Arbeit draußen auf dem Arbeitsdeck, Umgang mit schwerem Gerät sowie mit hochpräzisen, empfindlichen Messgeräten. Dabei lernt man Dinge, die kein Professor in Vorlesungen vermitteln kann.
Die Geophysik auf der Polarstern umfasst neben der Seismik, die ja schon beschrieben wurde, auch andere geophysikalische Verfahren. Zum Beispiel ist es meine Aufgabe, den Wärmestrom vom heißen Inneren der Erde nach außen zu bestimmen. Dazu werden sehr genaue Thermometer in bestimmten Abständen zueinander an das von den Geologen benutzte Schwerelot montiert. Das Schwerelot ist innen hohl, 5 oder 10m lang und wird senkrecht in den Meeresboden gerammt. Die Thermometer stecken also mit dem Schwerelot im weichen Sediment und registrieren die Temperatur in der jeweiligen Tiefe. Während die Thermometer die Temperatur im Meeresboden messen, bekommen die Geologen damit Material vom Meeresboden; es werden sozusagen zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen.
Die gemessenen Temperaturen werden an Bord ausgewertet und zeigen, dass es mit zunehmender Tiefe wärmer wird. Es handelt sich zwar „nur“ um eine Zunahme von ungefähr 0.3°C auf 5m, also für uns Menschen kaum merkbar, aber es reicht aus, um den Wärmestrom an der Stelle zu berechnen. Der Wärmestrom ist für uns Geophysiker wichtig, da er uns Information über das Alter und die Entstehung des Gesteins, was vom lockeren Sediment bedeckt wird, liefern kann. Dieses Gestein in den Ozeanen entsteht meist durch Magmatismus oder Vulkanismus, was hohe Temperaturen mit sich bringt. Ist das Gestein „geologisch“ noch jung (wenige Millionen Jahre), erwarten wir eine starke Temperaturzunahme mit der Tiefe; also einen hohen Wärmestrom. In der Realität läuft leider nicht immer alles perfekt und manchmal muss man erfinderisch sein, um mit den limitierten, an Bord vorhandenen Mitteln plötzlich auftretende Probleme zu lösen. Das ist es, was mir besonderen Spaß an Schiffsexpeditionen macht.
Bildbeschreibung: Das Foto zeigt ein 10m langes Schwerelot, das Material vom Meeresboden auf das Schiff bringt. Im unteren Teil sind vier Temperatursensoren zu sehen, die die Temperaturzunahme mit der Tiefe messen.
Das ScienceLog POLARSTERN ist eine Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar-und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft mit planeterde.de.



