METEOR ScienceLog - Nr.5

Kleine Tiere mit großem Gedächtnis

METEOR 77/1-LOG

8. November 2008:

log5-nico-abb3.jpgAutor: Nicolaas Glock hat gerade seine Doktorarbeit im Bereich der marinen Geochemie am IFM-Geomar in Kiel begonnen. Das Thema seiner Doktorarbeit ist die Rekonstruktion der Sauerstoffverhältnisse in der Sauerstoffminimumzone vor Peru über die letzten 20.000 Jahre. Die Proben von Sedimenten, den darin enthaltenen Mikrofossilien und verschiedene Wasserproben, die auf dieser Fahrt gewonnen werden, sind dabei die Grundlage für die Analysen, die er in den nächsten Jahren durchführen wird.

Auch ich spiele im Matsch mit den lieben kleinen Einzellern, genannt Foraminiferen. Dazu werden Proben aus den Sedimentkernen, die mit den Multicorern vom Ozeanboden nach oben gebracht werden. Die METEOR fährt dabei auf einer Route immer wieder auf und ab, und Kerne über Kerne werden an Bord gehievt. Mein einst roter Arbeitsoverall hat inzwischen eine gesunde Braunfärbung angenommen. Die Sedimentkerne werden dann, sobald sie an Bord sind, in einzelne zentimeterdicke Schichten zerlegt und verpackt. Zurück in Kiel werde ich mich dann mit dem Mikroskop auf die Suche nach den Einzellern machen, die meistens kleiner als einen halben Millimeter sind. Mit bloßem Auge sehen sie in dem Sedimentschlamm fast wie kleine Sandkörner aus.

log5-muc-kernabb1a.jpgAbb.1: Foto eines mit Sediment gefüllten Multicorer-Rohres

Das besondere an diesen Tierchen ist, dass sie in ihren Schalen zu Lebzeiten bestimmte chemische Elemente aus dem Meerwasser einbauen. Durch die Analyse der Forams, die im Sediment gefunden werden, bekomme ich dann Informationen über die geochemische Zusammensetzung des Meerwassers zu Lebzeiten des Tierchens. Die Untersuchung verschiedener chemischer Elemente gibt dabei Informationen über verschiedene Eigenschaften des Meerwassers, wie zum Beispiel dem Salzgehalt oder der Temperatur.

log5-muc-kern-abb1b.jpgZum Beispiel kann über die Analyse von Magnesium in den Schalen der Einzeller die Temperatur im Meerwasser zu ihren Lebzeiten bestimmt werden. Die im Sediment begrabenen Foraminiferen haben somit ein langes Gedächtnis und können wie ein Tagebuch der Ozeangeschichte helfen zu verstehen, wie sich das Meer in der Vergangenheit verändert hat. Je tiefer dabei im Sediment gewühlt wird, desto älter sind die Foraminiferen, die dabei gefunden werden.


Ich möchte nun versuchen herauszubekommen, wie sich der Sauerstoffgehalt am Grunde des Ozeans im Laufe der Erdgeschichte verändert hat. Das kann uns dabei helfen vorherzusehen, wie sich der Sauerstoffgehalt am Meeresgrund mit der Veränderung unseres Klimas in der Zukunft entwickeln wird. Ein chemisches Element namens Vanadium, das sehr empfindlich auf die Sauerstoffverhältnisse in Sedimenten reagiert, soll mir dabei (hoffentlich) helfen.

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Abb.2: Vergrößerte Aufnahme einer Foraminifere

Das ScienceLog ist eine Kooperation zwischen dem IFM-GEOMAR, dem SFB 754 der Christian-Albrechts-Universität Kiel und planeterde.de.

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Eine Reaktion zu “METEOR ScienceLog - Nr.5”

  1. Claudia Borke

    Hallo Niko:
    Deine Mutter hat mir den Link zugeschickt. Ich wünsche Dir viel Spaß in Peru und viel Energie für Deine Doktorarbeit. Wie lange bleibst Du denn da unten? Jetzt bin ich schon in so vielen Ländern gewesen, aber noch nie in Südamerika. Das weiteste war Curacao.
    Solltest du Dich mal in unserer Nähe aufhalten, dann komm doch vorbei.
    Alles Gute
    Claudia

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