MERIAN ScienceLog - Nr. 15
18.11.2008
Autor: Fritz Karbe
Nach 18 Tagen auf See im tropischen Atlantik tauchte in den frühen Morgenstunden bei 8°30′N 19°30‘W das eisbrechende Forschungsschiff Polarstern am Horizont auf. Die beiden wissenschaftlichen Fahrtleiter hatten dieses außergewöhnliche Treffen der deutschen Polarforschungsschiffe vereinbart.
Beide Schiffe können weltweit im gesamten Spektrum der marinen Forschung eingesetzt werden, die Polarstern jedoch dient auch der Versorgung der deutschen Forschungsstationen auf dem antarktischen Kontinent.
Abb. 1: In den frühen Morgenstunden erscheint am Horizont der Forschungseisbrecher Polarstern.
Nachdem beide Schiffe mit etwas Abstand nebeneinander im Ozean trieben, wurde ein Shuttle-Service mit kleinen Beibooten eingerichtet, der Wissenschaftler zum jeweils anderen Schiff brachte. Über die Jakobsleiter der Merian ging es mit Schwimmwesten ausgerüstet in die kleinen Boote, bei Seegang nicht so einfach wie man denkt. Während der Überfahrt bietet sich dem Beobachter ein einmaliges Bild und Gelegenheit beide Schiffe auf ein Foto zu bannen. Dann klettert man aus der schwankenden Nussschale wieder über eine Jakobsleiter zur Seitenpforte der Polarstern hinauf.

Abb. 2: Die beiden Forschungsschiffe Polarstern und Maria S. Merian bei ihrem Treffen im tropischen Atlantik (aufgenommen von Holger Uhlig, dem Schiffsarzt auf der Polarstern).
Während die Polarsternfahrer die Merian inspizierten, wurden wir auf der um einiges größeren Polarstern herumgeführt. Zuerst wurden die Labore und wissenschaftlichen Arbeitsgeräte neugierig bestaunt, dann ging es durch die Messe und den roten Salon hinauf aufs Peildeck, der zwei Hubschrauber beherbergende Hangar erregte große Begeisterung. Weitere Stationen waren der Kinosaal, der blaue Salon, die zweite Messe mit angeschlossener Bar, die Kammer eines der „Touristenführer“ und der Freizeitbereich mit Fitnessraum, Pool und Sauna.
Die Dimensionen der Polarstern waren beeindruckend, der Empfang begeisternd und nach regem Austausch und kurzen Gesprächen ging es wieder zurück aufs eigene Schiff. Wieder an Bord der Merian fand sich der Großteil der Mitfahrer achtern auf dem Arbeitsdeck ein und aus dem grade gefüllten Pool wurde freudig zum Abschied gewunken.

Abb. 3: Der abenteuerliche „Shuttle-Service“ zwischen den beiden Schiffen.
Die Mannschaft der Merian trieb dann am Nachmittag die Vorbereitungen für unser Bergfest voran. Seit morgens wurde frischer Fisch geräuchert, später der Grill aufgebaut und Punkt halb sechs stand der Schiffskoch am Grill und versorgte Mannschaft und Wissenschaftler reichlich und gut. Auch das frisch gezapfte Fassbier fand mit der Zeit seine Abnehmer und der Abend brachte alle in bester Stimmung zusammen. Dieser abwechslungsreiche Tag voller Eindrücke und dem abendlichen Bergfest brachte uns Wissenschaftlern eine wohltuende Unterbrechung der intensiven Arbeiten, welche nun wieder mit neuer Energie vorangetrieben werden können.

Fritz Karbe, geb. 6.7.1980:
„Seit 2002 studierte ich physikalische Ozeanographie in Kiel, wo ich im Sommer dieses Jahres mein Studium mit meiner Diplomarbeit abschloss.“