METEOR ScienceLog - Nr. 11 - M77-1 geht zu Ende
21.11.2008
Autor: Olaf Pfannkuche
Nach 31 Tagen und 3860 Seemeilen geht morgen die Reise M77-1 zu Ende. 17 Wissenschaftler sind morgen Nachmittag bereits auf dem Rückflug nach Hause. 9 Wissenschaftler werden am zweiten Fahrtabschnitt teilnehmen.
Es ist 18:30h Ortszeit, vor zwei Stunden haben wir unsere Stationsarbeiten bei 12°36´S / 077°33´W mit einer CTD-Messung bis in 1000 m Tiefe beendet. Wir hatten heute einen dieser Postkartensonnenuntergänge und alle standen auf dem Deck und haben ihn beobachtet. Der glühende Sonnenball geht früh und rasch unter, denn wir sind in den Tropen.
Abb. 1: Reiseverlauf M77-1
Die Sonne war eigentlich selten zu sehen auf dieser Reise. Schuld daran ist der kalte Humboldtstrom, der ein relativ kaltes Klima mit viel Nebel und bedecktem Himmel erzeugt. Die Mitteltemperaturen lagen wohl bei ca. 18° am Tage, so etwas erwartet man ja nicht für die Tropen, sondern eher für die Nordsee.
Abb. 2: CTD/Rosettenwasserschöpfer
Es ist jetzt schlagartig dunkel geworden und ich sitze nun in meiner Kabine und höre Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 1 und ziehe ein Resümee dieser Reise. Es hat mehr als zwei Jahre gedauert von der ersten Antragstellung über die wissenschaftliche Begutachtung, die technische Vorbereitung, die für meine Arbeitsgruppe eine Testfahrt zum Gotland Becken (Ostsee) einschloss, bis zum Start in Talcahuano (Chile). Jetzt nach 31 Tagen ist schon wieder alles vorbei.
Wir haben alle „auf hoher Flamme gebrannt“. Das ist so auf solchen Reisen, auf denen Rund um die Uhr gearbeitet wird und nun – Ruhe. Das ist wie eine Vollbremsung. Morgen werden wir im Hafen von Callao sein und dann ist wieder viel Aktivität, auch für mich, und die wird noch weiter gehen, denn wir sind ein Schiff mit Dienstflagge, also eine Art Botschafter für Deutschland. Aus diesem Grund werden wir auch für peruanische Offizielle in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft einen Empfang an Bord geben. Danach werde auch ich heimreisen.
Abb. 3: Ausbringen eines Landers
3860 Seemeilen – eine weite Strecke (siehe Abb. 1), es dauerte über vier Tage und ca. 1100 Seemeilen von Talcahuano bis zur ersten Station bei 18°S in peruanischen Gewässern. Die nächste Station war in 15° S. Dann ging es weiter mit dem Humboldtstrom und achterlichem Wind nach 11°S. Dort haben wir die meiste Zeit verbracht. Anschließend wieder nach Süden nach 12°30´S, unserem letzten Arbeitsgebiet. Es wurden 264 Stationen gefahren: 55 Einsätze mit CTD/Rosettenwasserschöpfer (siehe Abb. 2), 16 Landereinsätze (siehe Abb. 3), 23 Schwerelote (sieheAbb. 4), 87 TV-Multicorer (siehe Abb. 5), 34 OFOS Transekte (siehe Abb. 6; geschlepptes Kamerasystem) und 21 Vermessungsprofile zur Erstellung von bathymetrischen Karten.
Eine hervorragende Bilanz. Ja, ich bin zufrieden und meine Kolleginnen und Kollegen auch. Die ersten Daten versprechen spannende und teilweise herausragende Ergebnisse. Aber eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Die Auswertung der Reise und die Publikation der Ergebnisse in internationalen Fachzeitschriften ist ja das eigentliche Ziel. Für viele hier an Bord ist das auch mit einer Dissertation verbunden. Also doch kein Stillstand, es geht spannend weiter. Die nächste Fahrt in das nordwestafrikanische Auftriebsgebiet vor Mauretanien ist auch schon beantragt.
Abb. 4: Schwerelot
Abb. 5: OFOS (Meeresboden–Beobachtungssystem)
Das zweite Brandenburgische Konzert beginnt. Ich bin sehr zufrieden. Es war eine gute Reise.
Olaf Pfannkuche, wissenschaftlicher Koordinator M77, Fahrtleiter Fahrtabschnitt M77-1.
Das ScienceLog ist eine Kooperation zwischen dem IFM-GEOMAR, dem SFB 754 der Christian-Albrechts-Universität Kiel und planeterde.de.

