MERIAN ScienceLog - Nr. 17 - Volkswirt unter Meeresforschern

22.11.2008

Autor: Wilfried Rickels

Vollbeschäftigung auf dem Schiff! Ob dieser Zustand auch an Land durch einen festen Wachplan hervorgerufen werden könnte, bleibt aber eine offene Frage. Jedenfalls sind es aber solche Fragen, die man viel eher mit einem Ökonomen verbindet, als das Aufspüren von Tracern im Atlantik. Als solcher nehme ich nämlich an dieser Reise teil und stelle damit sicherlich mehr oder weniger den Exoten unter der Besatzung dar.

Diese Begebenheit erklärt sich aber schnell durch das Kieler Exzellenzcluster Future Ocean. In diesem Cluster arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an der Erforschung der Meere. Dazu gehören auch Ökonomen, die sich mit Bewertungsfragen ozeanischer Aspekte beschäftigen. Ich beschäftige mich in meiner Arbeit mit der Rolle des Ozeans als Kohlenstoffsenke und der Frage, wie die Kohlenstoffaufnahme des Ozeans durch CO2 Sequestrierung im tiefen Ozean und Eisendüngung erhöht werden kann.

Für diese Fragestellungen bin ich natürlich auf den Austausch mit meinen Kollegen aus den Naturwissenschaften angewiesen. So kommt es, dass ich Kiel häufig den Weg vom Institut für Weltwirtschaft an der Förde entlang zum IFM-GEOMAR suche, um die Modellierung dieser Fragestellung zu diskutieren, mir naturwissenschaftliche Zusammenhänge erklären zu lassen oder einfach um Parameterwerte zu erfragen. Dabei arbeite ich unter anderem auch mit Toste Tanhua zusammen, der ebenfalls an dieser Fahrt teilnimmt. So entstand auch die Idee, dass es ein interessanter Einblick für mich wäre an einer der regelmäßigen Forschungsfahrten teilzunehmen.

log-17-abb_1.jpg

Abb 1: Die Wasserschöpfer müssen bevor sie ins Wasser gelassen werden alle per Hand gespannt werden, um sie dann in einer bestimmten Tiefe per Knopfdruck zu schließen

Diese Idee wurde dann sehr schnell konkret umgesetzt und ich bin sowohl den Verantwortlichen am IFM-GEOMAR als auch an meinem Institut sehr dankbar mir diese Erfahrung zu ermöglichen. So kommt es das auch ein Volkswirt an Bord der Merian dabei ist und nicht nur zuschauen darf wie Naturwissenschaftler messen und proben, sondern auch selber aktiv an der Probennahme teilnimmt.

So kommt es, dass ich jetzt auch jeden Morgen um 3:40 von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen werde, um an der 4 bis 8 Uhr Wache teilzunehmen, die sich dann am Nachmittag noch mal von 16 bis 20 Uhr wiederholt. Innerhalb der Wache bin ich beschäftigt mit dem Aussetzen und Einholen der CTD und der Entnahme der verschiedenen Proben. Die neuen Erfahrungen, der direkte Austausch mit den Kollegen sowie der Schiffsbesatzung und nicht zuletzt dem Pool auf dem Achterdeck sind mehr als eine Entschädigt für diese ungewöhnlichen Arbeitszeiten. Ob die beschäftigungspolitische Auswirkung eines festen Wachplans weiter untersucht werden soll, werde ich dann aber nach meiner Heimkehr mal bei mir im Institut diskutieren.

log17-abb_2.jpg

Abb 2: Es gibt, je nachdem was gemessen werden soll, viele verschiedene Methoden um das Wasser aus den Schöpfern zu entnehmen. Auch die zeitliche Reihenfolge ist wichtig. Hier sieht man die Ampullen zur Probenahme für SF6-Messungen

Zum Autor

log17-abb_3-klein.jpgWilfried studierte Volkswirtschaftslehre in Kiel und arbeitet seit 2006 im
Institut für Weltwirtschaft im Forschungsbereich Umwelt und natürliche
Ressourcen. Er beschäftigt sich im Rahmen des Kieler Exzellenzcluster -
Future Ocean- mit dem Thema “Globales Kohlenstoffmanagement”.

Abb 3: Der Autor Wilfried Rickels

Zurück zur Hauptseite

Einen Kommentar schreiben