ScienceLog POLARSTERN - Log 7 - Alles Bio an Bord

Klein, aber oho: Ruderfußkrebschen
Oithona similis

Autorin: Britta Wend

Mein Name ist Britta Wend. Ich bin Doktorandin am IBU (Institut für Biologie und Umweltwissenschaften) der Universität Oldenburg. Meine Doktorarbeit führe ich in Kooperation mit dem AWI in Bremerhaven durch. Da alle guten Dinge drei sind, habe ich das Glück im Rahmen dieser Arbeit nun schon das dritte Mal an Bord der Polarstern zu sein. Meine ersten beiden Fahrten führten mich in die Antarktis. Dies ist also meine erste Polarsternexpedition in die Arktis. Zur Unterstützung begleitet mich Natalie Fischer als studentische Hilfskraft. Sie ist Biologiestudentin an der Universität Bremen.

multinetz-auf-dem-weg-ins-wasser-235_314.JPGDas Multinetz wird zu Wasser gelassen.

Unsere biologischen Arbeiten an Bord hatten die Untersuchung des Vorkommens sowie der Verbreitung von Oithona similis im Arktischen Ozean zum Gegenstand. Oithona similis gehört zu den Ruderfußkrebsen, die man zum Zooplankton, also dem tierischen Plankton, zählt. Planktonorganismen können sich nur in einem gewissen Maße selbst fortbewegen. Sie sind nicht in der Lage, wie z.B. Fische, aktiv gegen die Strömung anzuschwimmen. Ruderfußkrebse sind ökologisch betrachtet genauso wichtig wie die Insekten an Land. Die Artenzahl der Insekten ist zwar deutlich größer als die der Ruderfußkrebse jedoch sind die Individuenzahlen bei den Insekten geringer.

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Aufkonzentrieren der Wasserproben aus der CTD.

O. similis lebt überwiegend im Oberflächenwasser, daher beschränkte sich die Probennahme während dieser Expedition auf eine maximale Wassertiefe von 500 m. Die Proben wurden mit Hilfe eines Multinetzes (Maschenweite: 55 µm), welches fünf unabhängig voneinander schließbare Netze besitzt, genommen. Zusätzlich wurden Wasserproben von mehreren Litern mit Hilfe der CTD (Conductivity, Temperature, Depth) Rosette gewonnen. Diese wurden über sehr feine Sieben mit einer Maschenweiten von 20 µm auf ein Endvolumen von 50 mL aufkonzentriert und unmittelbar danach in Formol fixiert. Diese Methode ermöglicht es auch die kleinen Entwicklungsstadien des Ruderfußkrebses zu „fangen“.

 

Die meisten Ruderfußkrebse haben zwölf Entwicklungsstadien. Die ersten sechs bezeichnet man als Nauplien (das kleinste misst bei Oithona similis etwa 100 µm) und die übrigen nennt man Copepodite. Beim sechsten Copepoditstadium handelt es sich um das erwachsene Tier. Während die Oithona similis-Männchen Größen von etwa 0,7 mm erreichen werden die Weibchen mit ca. 0,96 mm größer. Für genetische Untersuchungen wurden erwachsene Individuen in Ethanol konserviert.

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Oithona Nauplie - ein frühes Entwicklungsstadium der Ruderfußkrebse.

Oithona similis ist zum einen ein wichtiges Untersuchungsobjekt, da die Art vermutlich weltweit verbreitet ist und oft in großen Anzahlen auftritt. Zum anderen ist diese Art ein wichtiger und vielseitiger Bestandteil des Nahrungsnetzes im Arktischen Ozean. Sie dient u.a. als Nahrung für Fischlarven und ernährt sich selbst von anderen kleinen Zooplankton-Organismen, aber auch von Phytoplankton (dem pflanzlichen Plankton) sowie von totem organischem Material oder dem Kot anderer Organismen.

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Knapp einen Zentimeter “groß” wird das Ruderfußkrebs-Weibchen.

Die Arbeiten an Bord sind Teil meiner Doktorarbeit deren Hauptanliegen es ist zu ergründen, ob es sich bei O. similis, einer Schlüsselart in den gewählten Untersuchungsgebieten (Arktischer Ozean, Südlicher Ozean und Nordsee), tatsächlich um eine weltweit verbreitete Art handelt. Dabei konzentrieren sich die Arbeiten zunächst auf die drei Untersuchungsgebiete. Es wird angestrebt auch Proben aus weiteren Meeresgebieten zu untersuchen. Wenn diese Art tatsächlich weltweit verbreitet ist, dann ist sie sehr flexibel und anpassungsfähig. Es könnte aber auch sein, dass es sich bei den als Oithona similis beschriebenen Arten in Wirklichkeit um mehrere verschiedene Arten handelt. Um dieses herauszufinden werden Individuen zum einen feinmorphologisch und zum anderen mit Hilfe genetischer Methoden untersucht. Ein weiteres Interesse besteht darin, ein besseres Verständnis ihres Lebenszyklus (oder der Zyklen der verschiedenen Arten) sowie ihrer Nahrungsgewohnheiten zu erlangen.

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Oithona Weibchen

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Britta Wend mit ihrer Beute im eingeholten Multinetz auf dem Arbeitsdeck.

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Das Multinetz im Einsatz unter Wasser.

Das ScienceLog POLARSTERN ist eine Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar-und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft mit planeterde.de.

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