Forschen statt Böllern
Kieler Meereswissenschaftler zum Jahreswechsel vor Südamerika aktiv
Nur über Weihnachten gönnten sich die Kieler Meeresforscher eine kurze Pause. Nach einem Personalwechsel ist das deutsche Forschungsschiff METEOR zum Jahreswechsel wieder unter Leitung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) unterwegs. Der dritte Fahrtabschnitt der Expedition „M77“ beschäftigt sich mit detaillierten Untersuchungen der Wassersäule vor der Küste Perus. Die Arbeiten im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 754 „Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“ dienen der umfassenden Vermessung der größten sauerstoffarmen Zone im Weltozean. In einem Weblog berichten die Wissenschaftler regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten.
Die Expedition „M77“ geht in die dritte Runde. Nachdem in den ersten beiden Fahrtabschnitten vor allem am Meeresboden geforscht und dort Proben entnommen wurden, rückt nun die Wassersäule selbst, also die Wassermassen vom Meeresboden bis zur Oberfläche, stärker in den Mittelpunkt. Das Thema des dritten Fahrtabschnitts ist eine detaillierte Untersuchung der hydrographischen, geochemischen und isotopischen Struktur der Wassermassen und ihrer Variabilität sowie ihr Einfluss auf den Sauerstoffgehalt im peruanischen Küstenauftriebsgebiet. Diese Arbeiten werden die Basis für ein umfassendes biologisches Forschungsprogramm sein, das die Beziehung zwischen Plankton, der Nährstoffverteilung und deren Nutzung näher untersuchen wird. Hierbei wird besonders der Stickstoffkreislauf im Vordergrund stehen.
Ein vom IFM-GEOMAR eingesetzter Gleiter. Foto: IFM-GEOMAR
„Am Ende der „M77“ Expedition werden wir ein gut aufgelöstes und detailliertes Bild der Wassermassen- und Sauerstoffverteilung, deren Lieferpfade und den Zusammenhängen mit den pelagischen Planktongemeinschaften haben“, so Prof. Dr. Douglas Wallace, Leiter des SFB 754. „Außerdem wollen wir Erkenntnisse über die Verteilung und den Kreislauf der Nährstoffe in den ostäquatorialen pazifischen Auftriebsgebieten gewinnen“, so Wallace weiter. Untersuchungen, darüber, welche Prozesse, den Sauerstoffgehalt kontrollieren, sind ein zentrales Thema des SFB 754, an dem neben dem IFM-GEOMAR auch die Christian-Albrechts Universität zu Kiel beteiligt ist.
Neben klassischen Beprobungen der Wassersäule werden auch zwei autonome Unterwasserfahrzeuge, sogenannte Gleiter, eingesetzt. Die Gleiter sollen im Besonderen zur Untersuchung kleinskaliger Phänomene eingesetzt werden, die eine potentiell wichtige Rolle für die Kommunikation und Wassermassenaustausch zwischen Küstenregion und offenem Ozean spielen.
„Die geplanten Isotopenmessungen spezieller im Wasser gelöster Spurenstoffe sind für uns von zentraler Bedeutung“, erläutert Fahrtleiter Prof. Dr. Martin Frank vom IFM-GEOMAR. „Diese Ergebnisse benötigen wir für die paläoozeanographische Rekonstruktion von Wassermassenmischung und Auftriebsintensität an den Sedimenten, die wir in den beiden ersten Fahrtabschnitten von „M77“ gewonnen haben“, so Prof. Frank weiter. „Es ist schon ein echtes Detektivspiel, die komplexen Zusammenhänge der biogeochemischen Wechselwirkungen zu enträtseln, weil es für viele dieser Spurenstoffe bisher im Auftriebsgebiet noch keine direkten Messungen gibt.“
Dass dabei auch in der Sylvesternacht geforscht wird, stört Frank überhaupt nicht. „Hoffentlich verpassen wir in unserem Forschereifer nicht den Jahreswechsel. Aber vielleicht hat ja jemand eine Flasche Sekt dabei und schaut mal auf die Uhr“, meint er schmunzelnd.
Hintergrundinformation
Sauerstoff ist für das Leben auf der Erde von elementarer Bedeutung – nicht nur an Land, sondern auch im Meer. Anders als in der Atmosphäre ist die Sauerstoffverteilung im Wasser jedoch nicht gleichmäßig. Es gibt sauerstoffarme Zonen, die für die marine Lebenswelt zum Problem werden können. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich diese Gebiete vergrößern. Die Kieler Meeresforscher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu eingerichteten SFBs 754 „Klima – biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean“ wollen die Verhältnisse in einer der weltweit größten Sauerstoffminimumzonen untersuchen. Sie liegt vor der südamerikanischen Westküste in einem Bereich, in dem nährstoffreiches Wasser aus Tiefen größer als 150 m an die Oberfläche steigt. Die am 22. Oktober gestartete, fast viermonatige Expedition mit dem Forschungsschiff METEOR wird die bisher umfassendsten Datensätze zu diesem Themenkomplex sammeln und die Basis für mehrjährige Analysen und Auswertungen geben.
Schiffs-Logbuch
In Zusammenarbeit mit dem geowissenschaftlichen Internetportal www.planeterde.de gibt es eine tagesaktuelle Berichterstattung von der Expedition. Ferner dokumentiert der Internet TV Sender realnature.tv in Kooperation mit planeterde.de die Arbeit der Kieler Meereswissenschaftler.
Links:
Expeditionsheft Meteorreise M77 http://www.ifm.uni-hamburg.de/~wwwls/M77/M77_Expeditionsheft.pdf
ScienceLog auf planeterde http://www.planet-erde.de/
Filme auf planeterde.tv und www.realnature.tv
SFB754 http://www.sfb754.de/
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Frank, Tel: 0431-600-2218, mfrank@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel: 0431 600-2802, avillwock@ifm-geomar.de
Das deutsche Forschungsschiff METEOR ist für drei Monate Arbeitsplattform der Kieler Meereswissenschaftler. Foto: IFM-GEOMAR


Am 28. Dezember 2008 um 21:23 Uhr
Liebe “M77″ Teilnehmer,
wünsche Ihnen für Ihr aktuelles Forschungsprogramm bei der Untersuchung der “Wassersäule” im Humboldt-Strom viel Erfolg und ganz viele neue Erkenntnisse! In dieser auch für die weltweite Klimaentwicklung nicht unbedeutenden Region gibt es sicherlich noch viele wissenschaftliche Ansatzpunkte, die einer detaillierteren Analyse zugänglich sind.
Bitte grüssen Sie an Bord herzlich Leni Hauss vom IFM!
Alle guten Wünsche zum Jahreswechsel und ganz viel Erfolg für Ihre wissenschaftlichen Arbeiten im neuen Jahr!
Thomas Klante