METEOR ScienceLog Nr. 14
Bordleben
Meteor, 14. Januar 2009
Autoren: Erik, Franzi, Martin und Nuno, Ozeanographie Arbeitsgruppe
Das Leben an Bord unterscheidet sich in vielfältiger Weise von dem an Land: beispielsweise benutzt man an Bord keine gewohnten Alltäglichkeiten wie Schlüssel, Geld, Handy oder Internet.
Die Autoren Erik, Franzi, Martin und Nuno
Da man auf See keinen ungebetenen Besuch erwartet, sind alle Türen stets unverschlossen, was auch den praktischen Nebeneffekt hat, dass man im Notfall jederzeit überall hin und vor allem hinaus gelangen kann. Anfangs fühlt es sich ohne Schlüssel recht komisch an, aber nach einer Weile fragt man sich, warum es nicht immer so sein kann.
Die meisten Dinge, die man an Bord benötigt, wie Mahlzeiten, eine Kammer mit Seeblick, eine Wäscherei, einen Fitnessraum und einen Kickertisch, werden durch das Projekt oder das Schiff bereitgestellt. Für andere Annehmlichkeiten wie Getränke, Schokolade, Gummibären und Souvenirs muss man jedoch bezahlen. Da man hier aber nicht davonlaufen kann, wird während der Fahrt kein Geld genutzt. Kurz bevor wir am Ende der Reise das Schiff verlassen, werden alle Rechnungen bezahlt, was für den einen oder anderen dann durchaus eine böse Überraschung werden kann.
Die Mahlzeiten an Bord sind so regelmäßig, dass man die Uhren nach seinem Magen stellen könnte. Frühstück gibt es von 7:30 bis 8 Uhr, Mittagessen von 11:30 bis 12 Uhr und Abendessen von 17:30 bis 18 Uhr. Aufgrund der lecker zubereiteten Mahlzeiten des Chefkochs sind Deck und Labore regelmäßig menschenleer, während sich alle in der Messe zum Essen einfinden. Gelegentlich sind die Mahlzeiten jedoch sehr kurz oder müssen ganz ausfallen, da einige der Experimente nicht unbeaufsichtigt ablaufen können oder die Probenflaschen sich nicht von selbst befüllen. Glücklicherweise wird in solchen Fällen vom Steward eine Portion für jeden zurückgestellt, außerdem findet sich in der Pantry zu jeder Zeit etwas essbares.
Handyfirmen installieren normalerweise auf See keine Sendemasten, wodurch wir keinen Empfang haben. Jedoch hatten wir in Küstennähe schon einmal Glück: vor zwei Tagen, fünf Seemeilen vor Lima, bot sich für einige von uns die Gelegenheit, ihre daheimgebliebenen Liebsten anzurufen. Wir haben auch kein Internet, müssen also auf Google, Ebay oder PlanetErde verzichten. Wir können unsere normalen Emailkonten nicht einsehen, jedoch haben wir spezielle Emailadressen an Bord um mit unseren Familien, Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben.
Auf der anderen Seite bietet diese Abgeschiedenheit die Möglichkeit, Dinge zu sehen und zu erleben, die man zu Hause nicht hat. Einige der vorgenommenen Messungen dauern recht lange, was uns immer wieder aufregende Wildtierbegegnungen beschert.
Nachbarschaftsbesuch: die Seelöwen
Annähernd jede Station wird mit einem CTD-Profil eröffnet. Die CTD ist eine Messsonde mit Sensoren für elektrische Leitfähigkeit (woraus der Salzgehalt bestimmt wird, conductivity im Englischen), Temperatur, Druck und zusätzlich noch für Sauerstoff und Chlorophyll. Am Ende eines langen starken Kabels, durch das die Daten in Echtzeit auf unseren Bordcomputer übertragen werden, wird sie bis auf fünf Meter über den Meeresboden hinabgelassen. Um die Sensoren herum angebracht sind 24 spezielle Schöpferflaschen (Niskin), die wir in ausgewählten Tiefen schließen und die uns jeweils 10 Liter Wasser an die Oberfläche bringen, welches danach in den Bordlaboren analysiert oder für den Heimweg vorbereitet wird. Die CTD auf Tiefe zu bringen und wieder an Bord zu hieven dauert von wenigen Minuten für Flachwasserstationen bis hin zu mehreren Stunden für große Tiefen. Das tiefste Profil auf dieser Reise endete auf 5500 Metern, 500 Meter vor der Maximaltiefe der Sensoren, und dauerte etwas länger als vier Stunden. Da das Schiff währenddessen stillsteht, werden wir insbesondere während dieser Zeiten häufig von den lokalen Bewohnern besucht. Besonders nachts, angezogen von der Schiffsbeleuchtung, brodelt die See vor Leben. Dann kann man mit etwas Glück Schwärme von Fischen beobachten, große Kalmare die in koordinierten Gruppen diese Fische jagen, und Seelöwen welche die Kalmare jagen. Nur die fliegenden Fische nehmen das Schiff manchmal etwas zu genau unter die Lupe und landen an Deck.
Der Glider beim Test im bordeigenen Pool
Des Weiteren haben wir einen Glider ausgesetzt, eine autonome Version der CTD, darauf programmiert, einem bestimmten Pfad zu folgen und dabei ab- und aufzutauchen. Befindet er sich an der Oberfläche, hebt er seine Heckflosse aus der See und ruft per Iridium-Satellitentelefon am IFM-GEOMAR in Kiel an. Dabei übermittelt er seine Position und die gemessenen Daten und wartet auf neue Anweisungen, wohin die Reise als nächstes gehen soll. Das eigentliche Aussetzen geschah von einem kleinen Motorboot aus, in etwa 200 Metern Entfernung vom Schiff. Mehrere Seelöwen tauchten sogleich auf und begrüßten ihren neuen gelben Gefährten.
Während wir danach auf ein Lebenszeichen des ausgesetzten Gliders warteten, besuchte uns eine Walfamilie, die vergleichsweise nah am Schiff vorbeischwamm. Der Glider wird die nächsten drei Wochen regelmäßig neue Wegpunkte übermittelt bekommen und danach von unseren Nachfolgern an Bord der Meteor wieder eingesammelt.
Autoren:
Erik, Franzi, Martin und Nuno sind Ozeanographen am IfM-GEOMAR in Kiel. Nuno beschäftigt sich mit der Bildung und dem Transport von Tiefenwasser in der Labradorsee, basierend auf gemessenen Daten, wobei Erik das ganze aus der Modell-perspektive analysiert. Auch Franzi gehört zu den Modellieren, allerdings interessiert sie sich für die Dynamik und die Mechanismen in den Tropen, verknüpft mit den Sauerstoffminimumzonen. Martin arbeitet an einer Verknüpfung von hydrographischen und seeseismischen Messungen.
