METEOR ScienceLog Nr. 16
Die Anreise:
Abb. 1 Landeanflug auf Lima nach fast 13 Stunden Flugzeit
Forschungsschiff Meteor ist am 27. Januar 2009 in Callao (dem Hafen von Lima) zum letzten von 4 Pazifikabschnitten der Reise M77 ausgelaufen. Eigentlich erwartet man, dass jetzt eine Information zum Auslaufen kommt, aber jeder Fahrtabschnitt hat für die ankommenden Wissenschaftler eine Vorgeschichte, die hier mal berichtet werden soll.
Für die teilnehmenden Wissenschaftler aus Kiel gab es am Sonntagmorgen (25.1.) kein Ausschlafen, denn gegen 4 Uhr wurden sie von zu Hause abgeholt um zum Flughafen nach Hamburg gebracht zu werden. Ich selbst war am Tag zuvor mit Johannes Karstensen voraus geflogen um am Sonntag bereits die Übergabe auf dem Schiff durchzuführen. Mit einem knapp einstündigen Flug ging es um 6:40 Uhr von Hamburg nach Amsterdam und nach kurzem Aufenthalt mit einem Nonstopflug von Amsterdam nach Lima. Der Flug verlief komplett zur Tageszeit, da wir nach Westen flogen. Bei einer Flugzeit von 12 Stunden und 45 Minuten ist es ein schönes Gefühl beim Landeanflug (Abb. 1) endlich das Land und die Aussicht auf Bewegungsfreiheit vor Augen zu sehen. Abends total übermüdet am Hotel angekommen, reichte es nur für einen kurzen Gang ums Hotel, um etwas peruanische Luft zu schnuppern.
Am nächsten Morgen ging es zum ersten Mal aufs Schiff. Da eine Reihe der Geräte vom vorherigen Abschnitt weiter benutzt werden sollen, ist eine gute Übergabe eine große Erleichterung für die folgende Messkampagne. Allerdings scheinen die lokalen Zollbehörden nicht mit verlässlichen Regeln zu arbeiten, so dass am Sonntag immer noch die Kühlluftfracht vom vorigen Abschnitt zurück nach Deutschland verhandelt wurde, und schließlich erst Montagnachmittag endlich bis zum Flughafen durchkam.
Abb. 2 Der Fahrtleiter vom vorhergehenden Abschnitt M77/3 Martin Frank bei seinem Vortrag am Instituto del Mar del Peru (IMARPE)
Die Pazifikfahrten stehen im Zeichen des Sonderforschungsbereichs 754, der eine starke Komponente im Ostpazifik vor Peru hat, und somit ist es nur verständlich, dass im letzten Jahr ein Kooperationsabkommen mit dem Instituto del Mar del Peru (IMARPE) geschlossen wurde. Im Rahmen des Kooperationsabkommens wurde die Chance genutzt, bei unserer Anreise eine kleine Seminarserie am Montagnachmittag am IMARPE durchzuführen. Während die Arbeitsgruppen Montagmorgen aufs Schiff kamen und mit dem Einrichten der Labore begannen, fuhr ich mit zwei weiteren Wissenschaftlern vom Schiff zum IMARPE um dort Vorträge zu halten. Auch der vorige Fahrtleiter Martin Frank kann auf dem Weg zum Flughafen ins Institut und hielt vor seiner Abreise noch einen Vortrag (Abb. 2).
Zurück auf dem Schiff ging dann das Trauerspiel mit dem Zoll weiter. Die drei Teilnehmer vom IMARPE wollten eigene Messinstrumente zur Ergänzung unserer Messungen mitbringen und hatten sie schon an Bord liegen, als der Zoll aufs Schiff kam und nach 2 Stunden die Geräte wieder fortgebracht werden mussten.
Mit traurigen Gesichtern der peruanischen Mitfahrer liefen wir am 27.1. morgens aus und gingen vor Callao auf Reede um zu bunkern (Brennstoff übernehmen), noch immer mit einem Rest Hoffnung am Nachmittag doch noch die peruanischen Geräte zu bekommen. Als am Nachmittag die Meldung kam, dass der Zoll jetzt wieder ein anderes Formular benötige, gleichzeitig aber das Schiff die Brennstoffübernahme beendet hatte und Fahrt aufnehmen konnte, war klar, dass in den Gesichtern der peruanischen Mitfahrer Trauer stehen würde, da ihre Geräte nicht an Bord kommen konnten, während die anderen Gruppen sich geschäftig auf die erste Teststation vorbereiteten.
Der Autor:
Lothar Stramma (53) ist physikalischer Ozeanograph am IFM-GEOMAR in Kiel. Er arbeitet seit über 20 Jahren an Fragestellungen der großräumigen Zirkulation des Ozeans sowie der Wassermassen- und Sauerstoffverteilungen des Ozeans und hat zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen mit Ergebnissen aus allen Ozeanen publiziert.
Im Sonderforschungsbereich 754 leitet er ein Teilprojekt über die Sauerstoffminimumzonen und ihre Veränderungen im Ostpazifik. Auf dem Meteorfahrtabschnitt M77/4 von Callao, Peru, 27. Januar 2009 bis Colon, Panama, 18. Februar 2009 ist er Fahrtleiter und es ist seine 30. größere Schiffsexpedition, mit denen er insgesamt über zwei Jahre auf See verbracht hat.

Abb. 3 Der Autor Lothar Stramma am Instituto del Mar del Peru (IMARPE)

