METEOR ScienceLog Nr. 20
Alles anders?
„Wie ist das so auf einem Forschungsschiff, sicher alles anders als zu Hause?“ ist eine häufig gestellte Frage vor Seereisen, und so will ich heute ein paar Eindrücke zusammenfassen, die teilweise auf dem Schiff noch fremder sind, als man zu Hause so denkt.
Abb. 1 Heike Dugge steuert uns sicher über den Pazifischen Ozean.
In Anlehnung an die Rede von US-Präsident Obama bei seiner Vereidigung erinnere ich mich, dass vor 30 Jahren, als ich als Student meine erste große Seereise auf der alten Meteor machte, Frauen bei der Wissenschaft auf Seereisen selten und bei der Mannschaft nicht gerne gesehen waren, geschweige denn, dass eine Frau auf der Brücke dass Schiff steuern durfte, oder man sich eine Frau als Bundeskanzlerin vorstellen konnte. Nun, Deutschland hat eine Bundeskanzlerin, Wissenschaftlerinnen auf dem Schiff sind heute völlig selbstverständlich und auf dieser Forschungsfahrt erlebe ich zum ersten Mal, dass eine Frau auf der Brücke steht und die Meteor fährt. Heike Dugge fährt als dritter Offizier (oder heißt das Offizierin) die 8-12 Wache (Abb. 1). Sie war zuvor schon verschiedene Abschnitte sowohl auf Meteor als auch auf Polarstern gefahren und ist somit eine erfahrene „Steuerfrau“. An Land mag das in der heutigen Zeit nicht ungewöhnlich klingen, auf deutschen Forschungsschiffen ist es allerdings noch die Ausnahme, aber ich hoffe, dass es viel weniger als 30 Jahre dauern wird, bis dies völlig normal und nicht mehr erwähnenswert ist.
Auf den Decks unter der Brücke sind die Wohnräume der Mannschaft und der Wissenschaft. Während vor 30 Jahren auf der alten Meteor auch die Mannschaft weitgehend auf Privatsphäre verzichten musste und in Zwei- oder Mehrbettkammern wohnte, ist dies heute nur noch der Wissenschaft vorbehalten. Nur der Fahrtleiter und ein Seniorwissenschaftler haben auf der Meteor eine Einzelkammer, wenn dass Schiff mit der höchstmöglichen Anzahl von Wissenschaftlern fährt. Da die Reisen meist nur ca. einen Monat dauern, ist das Leben in einer Doppelkammer zu verkraften. Trotzdem ist es sehr ungewohnt mit teilweise fremden Personen oder Kulturen auf einer engen Kammer zusammen zu leben. So haben wir z.B. jetzt in einer Kammer eine Chinesin und eine Deutsche wohnen, eine interessante Erfahrung für beide Wissenschaftlerinnen.
Abb. 2 Floatauslegung nachts um 4 Uhr beim ersten starken Regen seit vielen Wochen.
Die meiste Arbeit geschieht auf dem Arbeitsdeck. Auf dieser Reise werden insgesamt 10 Floats mit Sauerstoffsensor ausgelegt, die während der nächsten 2 bis 3 Jahre alle 10 Tage ein Profil der obersten 1500 m von Druck, Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt über Satellit übertragen werden, während wir längst wieder im Büro arbeiten und die Meteor mit anderen Aufgaben und Zielen im Atlantik unterwegs sein wird. Bei der ersten Floatauslegung nachts um 4 Uhr (Abb.2) gab es eine Besonderheit, die kaum ein Leser in Deutschland als solche erkennen wird: Regen. Seit Monaten ist Meteor in dem regenarmen Gebiet des Ostpazifiks unterwegs, und die Mannschaft hatte in der gesamten Zeit keinen stärkeren Regen erlebt. Pünktlich zur Floatauslegung ging der erste starke Regenguss über dass Schiff nieder. Aber bei Temperaturen über 25°C möchte trotzdem kaum jemand mit dem Wetter in Deutschland tauschen.
Ein Deck unterhalb des Arbeitsdecks befindet sich die Messe, der Ort, an dem die Mahlzeiten eingenommen werden. Für diejenigen, die durch die laufenden Arbeiten nicht rechtzeitig zum Essen kommen können, findet sich aber auch zwischen den Mahlzeiten immer etwas zum kauen. Bedingt durch das Fahrtgebiet wird hier eine große Auswahl an leckeren tropischen Früchten angeboten, die zu Hause sündhaft teuer sind, hier aber zum landestypischen Frischobst gehören. Ich hatte noch nie zuvor Cherimoya gegessen, eine sehr leckere süße Frucht, deren Geschmack sich dennoch kaum mit anderen Früchten vergleichen lässt. Versuche, den Geschmack zu beschreiben, gingen von „Erdbeeren mit Sahne“ bis zu „Melone mit Birne“ - man muss es einfach selbst probieren! Ebenso müsste man auch eine Forschungsreise selbst ‚ausprobieren’ um vollständig zu erfahren, was alles anders ist.
Abb. 3 Angebot an tropischen Früchten, vorne recht Cherimoya.
Der Autor:
Lothar Stramma, siehe erster Blog von M77/4


