METEOR ScienceLog Nr. 21
Land in Sicht
Wir nähern uns mit Volldampf (12kn) der Küste von Peru. Etwa alle 30 Meilen machen wir halt um Stationen zu fahren und dabei so viele Wasserproben wie möglich für die verschiedenen Arbeitsgruppen zu nehmen. Der Schichtbetrieb unter den Wissenschaftlern hat sich inzwischen recht gut eingespielt und so entdeckt man rund um die Uhr auf dem Arbeitsdeck an der CTD-Rosette fleißige Helfer, die vor allem uns Sauerstoff- und Nährstoff-Analytikern beim Zapfen der Proben unterstützen. Für uns ist schnelles und blasenfreies Zapfen wichtig, damit die Werte der Sauerstoffkonzentrationen nicht durch eingeschlossene Luftblasen verfälscht werden oder durch Öffnen der Ventile an den Niskinflaschen der Rosette Luft durch das Wasser strömt und auch so der Sauerstoffwert erhöht wird.

Abb.: Links: von links beim Proben zapfen an der CTD Rosette: Mirja Dunker, Annette Kock und Kathrin Wuttig (alle: IFM-GEOMAR, Kiel). Über ihnen Fregattvögel vor der Küste von Peru.
Mitte: Beim Sauerstoffproben schütteln: Carlos Helguero (Instituto Oceanografico de la Armada, Guayaquil) und Jesús Ledesma (Instituto del Mar de Peru, Lima).
Rechts: Frank Malien (IFM-GEOMAR, Kiel) auf der Suche nach Sauerstoff in einer Wasserprobe.
Unten: Ein gemeiner Delfin zu Besuch auf einer Station nahe der Küste.
Um das zu verhindern dürfen wir als erste die Rosette bestürmen sobald sie durch die CTD-Wache frei gegeben ist. Es wirkt, als ob alle möglichst schnell an die Kuh mit 24 Zitzen zum Melken wollen. Der Sauerstoff wird direkt beim Zapfen durch den Zusatz von Chemikalien fixiert, so dass er als weißer bis brauner flockiger Niederschlag ausfällt. Wichtig ist dabei das Schütteln der Proben für mindestens eine halbe Minute. Hier machen sich besonders gut unsere chinesischen, peruanischen und ecuadorianischen Kollegen die mit an Bord sind. Idas peruanische Forschungsequipment ist leider beim Zoll in Callao hängen geblieben, so dass sie nun alle anderen Forschungsgruppen unterstützen so gut sie nur können. Sobald die Rosette aus dem Wasser gehievt wird sind sie zur Stelle. Natürlich bleibt hier das ein oder andere Späßchen nicht aus, so dass es inzwischen nicht mehr Sauerstoff-schütteln sondern Tanzen ist. Sicher liegt das auch an ihrem lateinamerikanischen Temperament! ![]()
Trotz der Kommunikationsschwierigkeiten (sie sprechen leider kaum Englisch), weiß jeder welcher Handgriff wann zu machen ist und mit einem Lächeln als Dank ist auch der Transport der fertig gezapften Proben in unser Labor für sie eine Selbstverständlichkeit. Der Rest unserer Arbeit ist Routine. Die Nährstoffe werden von einem Autoanalyzer untersucht, dessen ausgespuckte Daten wir letztlich noch auswerten müssen. Wichtig ist nur das Gerät mit verschiedenen Reagenzien zu füttern und darauf zu achten, dass es ohne Probleme bis zu 24 Stunden am Stück laufen kann. Die Bestimmung der Sauerstoffkonzentration geschieht per Hand über eine Farbtitration. Hierbei sieht man eine Farbänderung von gelb über blau zu farblos.
Kaum ist man mit einer Station fertig, so bleibt grad noch Zeit für ein kühles Getränk und ein Blick in den strahlend blauen Himmel Richtung Horizont und dann müssen auch schon die Probenflaschen wieder für die nächste Station vorbereitet werden. Wenn man Glück hat entdeckt man allerdings in der kurzen Pause ein paar springende Delfine oder kann die fliegenden Fische und die uns begleitenden Vögel beobachten.
Manchmal fragt man sich, warum man gerade an der einen der anderen Stelle viele tolle Tiere beobachten kann und dann wieder lange keine entdeckt. Hierauf haben wir dann oftmals schnell eine Antwort. Heute zum Beispiel habe ich Sauerstoffproben analysiert, die auf einer Station genommen wurden bei der uns viele Delfine besucht haben. Leider musste ich feststellen, dass unterhalb von 10 Metern Wassertiefe nicht mehr viel Sauerstoff vorhanden war, so dass die Tiere tatsächlich nah unter der Oberfläche „spielen“ mussten!
Hier wird auch uns dann klar, was unsere Forschung auf der Meteor tatsächlich für einen praktischen Sinn hat oder viel mehr wo sich unsere hier gewonnenen enormen Datensätze und Ergebnisse im „wahren Leben“ bemerkbar machen.
Die Ausbreitung der Sauerstoffminimumzone (OMZ) im tropischen Pazifik ist das Hauptuntersuchungsziel dieser Reise und die exakte Bestimmung der Sauerstoffkonzentrationen dabei für alle beteiligten Arbeitsgruppen von großer Bedeutung.
Neben den Sauerstoff- und Nährstoffuntersuchungen gehört auch zu unseren Aufgaben das Gefahrgut, also die Chemikalien, ordnungsgemäß für den Rücktransport nach Deutschland vorzubereiten. Das bereitet uns doch sehr viel mehr Arbeit, als wir gedacht hätten, da der Zoll bestimmte Papiere braucht und diese zu schreiben für uns als Laien fast unmöglich erschien.
Bis wir uns da eingearbeitet hatten, waren schon etliche Tage vergangen und Sorgenfalten entstanden. Nun sieht es aber so aus als würde unsere Fracht ohne Probleme von Colón (Panama) aus wieder nach Deutschland verschifft werden können. Hoffen wir das Beste! ![]()
Ein anderes Pech kann einen ereilen beim Probenehmen oder Sonne tanken an Deck. Dies kann schnell zum Spießroutenlauf werden, denn gerade in Küstennähe versammeln sich viele Fregattvögel über dem Schiff und leider gibt es kaum einen an Bord, der von einer weißen Überraschung von oben verschont bleibt… good luck! Davon können wir für die zweite Hälfte der Reise bestimmt viel gebrauchen.
Die Autorin:
Mirja Dunker ist staatlich geprüfte Chemische Assistentin und Chemie-Studentin im dritten Semester an der CAU zu Kiel. Im Rahmen der Reise M77/4 ist sie als Hilfswissenschaftlerin zusammen mit Frank Malien für die Sauerstoff- und Nährstoffanalytik zuständig.