METEOR ScienceLog Nr. 22
Sind wir bald da?
Diese Frage stellen kleine Kinder auf jeder längeren Reise und auch die Offiziere der Meteor bekommen sie jetzt öfter zu hören. Das Ende der Reise M77/4 naht mit großen Schritten und jeder macht sich so seine Gedanken über die Heimreise.
Abbildung 1: Der Autor Andreas Funk an einem der beiden Schiffs-ADCP’s.
Der Schnitt entlang von 85°50′W wurde heute Abend mit der letzten Station der Reise beendet und zu diesem Anlass gab es auch eine kleine Feier. Die Gedanken an die Heimreise sind aber noch ein wenig unsicher, weil die Passage durch den Panamakanal, obwohl lange voraus für den Abend des 17. Februar angemeldet, jetzt doch wieder fraglich ist. Die Ingenieure kitzeln die letzten Reserven aus der Maschine, damit wir eventuell schon am 16. vor dem Kanal sind und auf jeden Fall rechtzeitig den Hafen Colon erreichen. Das GPS-System zeigt dabei Geschwindigkeiten von teilweise über 13 Knoten. Dabei helfen der frische strömungsgünstige Anstrich der Außenhülle und zumindest bis jetzt auch Strömung und Wind von achtern.
Abbildung 2: Zonale Strömung bei 85°50′W in cm/s zwischen 1°S und 1°N. Positive Geschwindigkeiten (gelbe Farben) bedeuten ostwärtige Strömungen, negative Geschwindigkeiten (blaue Farben) bedeuten westwärtige Strömungen.
Die Strömungsgeschwindigkeiten der äquatorialen Strömungsbänder werden hier an Bord mit einem akustischen Strömungsmesser (Acoustic Doppler Current Profiler oder kurz ADCP) gemessen. Dieser arbeitet nach dem Doppler-Prinzip und kann die Strömungen in der gesamten Wassersäule von fast 800m Tiefe bis etwa 30m unter der Oberfläche messen (siehe Abb. 2). Der Wind wird routinemäßig von zwei Anemometern links und rechts des Mastes gemessen, eine Vorhersage für die nächsten Tage, macht unser Bordwettertechniker Wolf-Thilo Ochsenhirt vom DWD.
Da die Stationsarbeiten beendet sind, bin ich sehr froh nun nachts keine Wache mehr gehen zu müssen. Ich werde also heute Nacht schlafen und kann morgen früh zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit den anderen zusammen frühstücken. Es gibt hier jeden Morgen frische Pfannkuchen, Eier in allen Variationen und wahlweise ein wechselndes warmes Gericht. Da fällt das Aufstehen gar nicht mehr schwer. Überhaupt ist das Essen an Bord sehr gut und reichlich. Den nachmittäglichen Kuchen werde ich zuhause sehr vermissen. Der Mohnkuchen und die Mandelhörnchen unseres Kochs Franz Grün sind ein echtes Highlight jeder Fahrt.
Um die Rolle des äquatorialen Strömungssystems als Lieferant von sauerstoffreicherem Wasser in die Sauerstoffminimumzone zu untersuchen, müssen die Daten des ADCPs sorgfältig analysiert werden. Die zu messenden Strömungsgeschwindigkeiten liegen dabei in der Größenordnung von einigen cm/s. Die fahrende Meteor bewegt sich aber mit etwa 6 m/s durch das Wasser. Die Geschwindigkeit und insbesondere auch das heading, also die Orientierung der Längsachse des Schiffes relativ gegen Norden, müssen deshalb so präzise wie nur möglich bestimmt werden, damit die Schiffsgeschwindigkeit von der gemessenen Geschwindigkeit des Wassers relativ zum Schiff abgezogen werden. Das ist erst seit der Zeit von GPS und fiber-optischen Kreiselkompassen mit ausreichender Genauigkeit möglich.
In den nächsten Tagen ohne Stationsarbeiten werden wir nun die Container packen und natürlich müssen auch noch diverse Berichte geschrieben werden, so dass es bestimmt nicht langweilig werden wird.
Der Autor: Dr. Andreas Funk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Physikalische Ozeanographie am IFM-GEOMAR, Kiel

